Verschlagwortet: 20. Jahrhundert
Am 30. Oktober 1946 tagte von 10 Uhr morgens bis Viertel nach eins der erste frei gewählte Kreistag des damaligen Kreises Bergheim nach zwölf Jahren NS-Herrschaft. Doch wer angesichts dieser Sitzung ein großes Fest der Demokratie vermutet, bei dem voller überschwänglicher Freude das Ende der Willkürherrschaft gefeiert wurde, liegt falsch. Die Tagesordnung liest sich vielmehr nüchtern-technisch. Und das aus gutem Grund: Die Abgeordneten des neuen Kreistags wollten schnellstmöglich handlungsfähig werden, um den Nöten der Bevölkerung Abhilfe zu leisten.
Der politische Umbruch zeigt sich in Hürth insbesondere am Posten des Bürgermeisters, der innerhalb eines Jahres von drei Männern bekleidet wird – zu Recht kann das Jahr 1946 in Hürth als das „Drei-Bürgermeister-Jahr“ bezeichnet werden. Darüber hinaus sind nach dem Zweiten Weltkrieg immer mehr Frauen in den politischen Gremien der Stadt vertreten – in Hürth insgesamt fünf.
Nach 13 Jahren ohne demokratische Wahlen mussten die Menschen in Wesseling und Berzdorf 1946 das Wählen und die Regeln demokratischer Beteiligung erst wieder einüben. Eine Akte im Stadtarchiv Wesseling dokumentiert eindrucksvoll, wie die ersten Kommunalwahlen nach dem Ende der NS-Diktatur organisiert wurden – von Wahlvorschlägen und Wählerlisten bis hin zu Stimmzetteln und Wahlvorschriften. Dabei zeigen die Unterlagen, dass demokratische Verfahren keineswegs selbstverständlich waren und unter der britischen Militärregierung neue Strukturen entstanden. Die Wahlen vom 15. September 1946 markieren damit einen wichtigen Schritt auf dem Weg zurück zur kommunalen Demokratie.
Vor 80 Jahren, am 15. September 1946, schrieben die Bürger*innen der britischen Besatzungszone Geschichte: Zum ersten Mal seit dem Beginn der NS-Diktatur gingen sie wieder zu freien und geheimen Kommunalwahlen. Nur einen Monat später,...
„Der Graf, der die Mona Lisa vor Göring schütze“ – Mit dieser Schlagzeile und einem ausführlichen Artikel würdigte die Kölnische Rundschau den am 25.05.1978 verstorbenen Franz Graf Wolff Metternich, der als Provinzial- bzw. Landeskonservator und Beauftragte für Kunstschutz im Zweiten Weltkrieg tausende von Kunstschätzen vor Kriegsschäden bewahrte.
Wenn wir heute über die NS-Zeit in unserer Gemeinde Merzenich sprechen, fällt der Blick oft auf das „Stalag“ im Norden von Arnoldsweiler. Dort waren zwischen 1940 und 1945 vor allem sowjetische, französische und polnische Kriegsgefangene untergebracht. Sie mussten nicht nur in Merzenich, Golzheim, Girbelsrath oder Morschenich Zwangsarbeit leisten, sondern in der gesamten Region. Doch dieses Lager war kein isolierter Ort. Durch administrative Unterstützung und polizeiliche Zuarbeit war das Lagerwesen eng mit der Amtsverwaltung in Merzenich verknüpft. Neue archäologische Funde aus dem Jahr 2024 rücken dieses Thema nun wieder stärker in unser Bewusstsein.
Die Provinziallandtagswahlen im März 1933 gelten als letzte formal demokratische Wahlen zur NS-Zeit – zugleich stehen sie exemplarisch für deren Aushöhlung. Im Spannungsfeld zwischen demokratischen Verfahren, neuen Gesetzen und politischer Gewalt wird sichtbar, wie rasch sich die nationalsozialistische Machtübernahme auch in den provinziellen Strukturen durchsetzte.
Mai 1945. Als die Waffen schwiegen, kehrten die Menschen aus der Evakuierung zurück in ein Merzenich, dass sie kaum wiedererkannten. Vor ihnen lag mehr als nur ein Haufen Schutt; vor ihnen lag die Aufgabe, eine Heimat völlig neu zu erfinden. Es ging um Steine und Mörtel, aber auch um Werte und Würde.
Geschichte besteht oft aus nüchternen Zahlen, Aktenzeichen und fernen Daten. Doch hinter jedem Dokument in unseren Archiven standen Menschen. In der Zeit des Nationalsozialismus waren es zum Beispiel Menschen, die den schleichenden Verlust ihrer Freiheit im Alltag miterlebten. Wie erlebten sie den politischen Wandel ab März 1933? Was fühlten sie, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen? Gerade Unterlagen aus kleinen kommunalen Archiven können hierauf Antwort geben. Warum? Weil die „große Politik“ der Nationalsozialisten ihre Wirkung erst in der kleinsten Zelle der Gesellschaft entfaltete – in Dörfern wie Merzenich.
Heinz Schwerfen wurde 1935 in Wesseling geboren und lebte bis zu seinem Tod im Februar 2026 in der Stadt am Rhein. Aufgewachsen ist er an der heutigen Kölner Straße, wo seine Eltern eine Fotodrogerie...