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An „et Prüppes“ erinnert nunmehr der Straßenname. Ein Metalleimer mit „zähflüssiger“ Lechenicher Vergangenheit

Patria Blecheimer Lechenich

Für die älteren Bürger von Erftstadt ist der Straßenname „An der Patria“ in Lechenich noch mit vielen Erinnerungen verknüpft. Jüngeren dagegen sagt die „Patria“ wenig bis nichts. Grund genug, im Historischen Archiv der Stadt nachzufragen und gemeinsam zurückzuschauen.


In der Ausstellung des Stadtarchivs an der Bonner Straße, integriert in die Stadtteilbibliothek, befindet sich ein Ausstellungsstück, das direkt ins Auge fällt: ein blau-silber bedruckter, runder Metalleimer. Das 10­Liter­Behältnis schmückt dabei eine silberne Schrift sowie ein Logo. Zu lesen ist dort in einem schräg gestellten, silbernen Viereck „Patria“. Aber warum steht diese blaue Metalldose im Stadtarchiv?

Ende des Jahres 1913 wurde in Lechenich eine Rübenkrautfabrik errichtet, die von der Rheinischen Rübenkrautfabrik ‚Patria‘ G.m.b.H. betrieben wurde

erklärt Dr. Frank Bartsch, der Leiter des Stadtarchivs. Zunächst sahen die Pläne für Lechenich eine Zuckerfabrik vor, doch angesichts bereits seit Jahrzehnten existierender Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft – in Euskirchen 1870 von Pfeiffer & Langen gegründet, in Brühl 1884 sowie ein weiteres Werk in Düren – entschied man sich in Lechenich 1912 zum Bau einer Rübenkrautfabrik. Das kam so

„1903 hatte sich in Köln der Rheinische Rübenbauer­Verband konstituiert und im April 1910 ein regionaler Kreisverband für Euskirchen mit Sitz in Lechenich. Vorsitzender war der Lechenicher Paul Kerp (1868–1964), der auf Grund einer Zeitungsannonce Kontakt zum Unternehmer August Pohlig aus Uerdingen aufnahm. Pohlig suchte weitere Standorte für Rübenkrautfabriken und so nahm das Ganze seinen Lauf“,

schildert Dr. Frank Bartsch. Ersten Gesprächen zur Umsetzbarkeit im September 1912 folgten schnelle Umsetzungen. Die „Rheinische Krautfabrik ‚Patria‘ G.m.b.H.“ wurde im August 1913 gegründet und kaufte im September 1913 das Grundstück in der Nähe der Bliesheimer Straße, heute „An der Patria“.

Der Name ‚Patria‘ verweist dabei auf die patriotische, heimatverbundene Gesinnung, ist zeittypischer Ausdruck für den Unternehmergeist vor dem Ersten Weltkrieg und bei zahlreichen Firmennamensgebungen in Deutschland zu sehen

erklärt Dr. Frank Bartsch. Ende 1913 begannen bereits die Baumaßnahmen unter Leitung des Baugeschäftes „Wwe. Joseph Schlösser“ aus Erp. Die erste Rübenkampagne konnte dann bereits ein Jahr später mit 60 Werksangestellten gefahren werden – von Oktober 1914 bis Ende Februar 1915 mit insgesamt fast 5.000 Tonnen Zuckerrüben und fast 1.000 Tonnen Rübenkraut. Die Spezialität des Unternehmens: „doppelt raffiniertes Zucker-Rübenkraut“. Infolge des Ersten Weltkrieges kam es zu deutlichen Einbußen. Erst zehn Jahre nach Kriegsende konnte wieder das Vorniveau erreicht werden. Und wie ging es dann mit der Rübenkrautfabrik weiter?

Fast 50 Jahre prägte das ‚Prüppes‘ genannte Werk – wegen ‚Prüpp‘, wie Rübenkraut im Volksmund genannt wurde – das Lechenicher Bild. Die letzte Kampagne an der ‚Patria‘ wurde 1961/62 gefahren, danach die Produktion eingestellt. Im April 1970 wurden dann letztlich die Werksgebäude abgerissen und das Gelände mit den Jahren in ein Wohngebiet umgewandelt. Heute liegt dieser Bereich an der Geschwister-Scholl­ traße und am Von­-Bodelschwingh-Weg

fasst Dr. Frank Bartsch zusammen. Und wie kam die bestens erhaltene „Prüpp“-Dose ins Archiv?

Es handelt sich dabei um eine dankenswerte Schenkung der alteingesessenen Lechenicher Familie Buchbinder-Engels, die uns auch schriftliche Unterlagen über die Krautfabrik überlassen hat

so Dr. Frank Bartsch, der sich stets über neue „Stücke Erftstadts“ freut.


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OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Volker Düster (12. Juni 2026). An „et Prüppes“ erinnert nunmehr der Straßenname. Ein Metalleimer mit „zähflüssiger“ Lechenicher Vergangenheit. Archive Rhein-Erft-Rur. Abgerufen am 6. Oktober 2026 von https://archiverer.hypotheses.org/3949


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